Seit 2024 ist media/rep/ bereits ein Teil des FID Media, was sich bisher aber weder im Namen noch im Erscheinungsbild widergespiegelt hat. Nun erfolgt die Umbenennung in FID Media Publish und auch das Design wurde im Zuge des neuen Corporate Design überarbeitet. Inhalte, Struktur und Funktionen bleiben aber alle wie gewohnt. Wenn Sie Publikationen einreichen möchten, wenden Sie sich bitte an: fid-media-publish@uni-marburg.de

Beitragen, um etwas zu erzeugen

Abstract

Teilen macht Karriere, erneut und anders als vermutet. Die ökonomischen und damit reproduktiven Bezüge dieser Karriere sind weder durch Prozess- und Produktstandards (z.B. industrieller oder bürokratischer Arbeitsteilung) noch durch ein Auffrischen frühbürgerlicher Moral Economy bestimmt. Fast ist es eine Not-Karriere; „Revolution without power“ (J. Hollowy). Es dominiert angestrengte Anwesenheit, ständig. Kommunikation wird informationeller Dauerkontakt. Beitragen ist gefragt und gefordert. Dies ist einesteils inspiriert von einem experimentierfreudigen Gleichheits-Ethos. In ihm gelten Information, Verteilung, Kollaboration als Gemeingüter. Anderenteils entspricht dies digitalen Zeit-, Entscheidungs- und Aufmerksamkeitsökonomien. Altmoderne Größen-, Mengen- und Stabilitätsbezüge, die Teilen auf sich zogen, gelingen nicht mehr. Die Strukturgrößen des Sozialen und ihre Funktionszeiten schrumpfen. Bei sinkenden Strukturgrößen ‚des Sozialen‘ und dynamischer Vernetzung der über 40.000 lokalen, urbanen, personalisierten Netzwerke, schafft Teilen keinen in sich geschlossenen zwischenmenschlichen Zusammenhang mehr. Die geforderte Handlungsweise lautet: beitragen zu Speicher- und Gruppenprozessen, egal ob regional oder global. Die Austauschbeziehungen der Peers (der gleichrangigen Netznutzer) überschatten fürsorgliches, versorgendes Teilen. An seine Stelle wird ‚Etwas beitragen können’ wichtig. So entstehen Wisdom of Crowds, Netsourcing, weltweite kollaborative Netzwerke. Solidarität der Gleichheit? Widersprüche mehren sich in den User Generated Contents. Sollte es in Wissensgenerierung, in Projektentwicklungen nicht mehr um ‚die großen Zusammenhänge‘ gehen, worin auch immer diese vermutet wurden? In jedem Fall verändern sich die Kulturtechniken des Teilens (Mit-, Arbeits-, Ver-, Aus-Teilens). Teilen, als Kategorie der Konsumsphäre wird verändert zu aktivem Beteiligt sein, beitragen, d.h. zu einer Produktionsressource. Wird die Not zur Tugend? Ja, gewiss. Zur Tugend der Kollaboration und Kooperation.

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